Type for Democracy!
Ist „Woke“ nicht mehr „en vogue“? Typografie ist weit mehr als nur ein Gestaltungselement – sie ist die visuelle Stimme einer Marke, eines Unternehmens, einer Organisation und der wichtigste Baustein crossmedialer Corporate-Design-Systeme. Eine individuell entwickelte Corporate-Font sorgt für Orientierung, Markenwiedererkennung und transportiert Botschaften. Sie definiert Identität und ist ein zentrales Werkzeug, um Konsistenz in der internen und externen Kommunikation zu wahren.
Corporate Design – und insbesondere Typografie – ist daher weit mehr als Ästhetik; es ist ein Ausdruck von Werten. Doch wie tief sind diese Werte wirklich in der DNA eines Unternehmens verankert? War Wokeness nur ein kurzlebiger Marketing-Trend – oder ein echtes, langfristiges Commitment?
Wokeness steht für Bewusstsein und Sensibilität gegenüber sozialen Ungerechtigkeiten – für soziale Gerechtigkeit, Vielfalt und Nachhaltigkeit. In den vergangenen Jahren haben viele Unternehmen diese Themen aufgegriffen, in ihre Markenstrategien integriert und als Teil ihrer Identität präsentiert. Doch nun, unter politischem und gesellschaftlichem Druck, ziehen sich viele wieder zurück. Diese Kehrtwende ist enttäuschend. Unternehmen, die nur dann für Werte einstehen, wenn es bequem ist, zeigen keine Überzeugung – sie betreiben reines Reputations-Management.
Eine Corporate-Font ist weit mehr als eine Sammlung von Buchstaben – sie verkörpert Identität, Charakter und Haltung. In meinem Kurs Corporate Design widmen wir uns intensiv der Entwicklung einer Corporate-Font, basierend auf historischen Logotypes, die längst nicht mehr im Einsatz sind. Diese Schrift bildet anschließend das Fundament für ein umfassendes Corporate-Design-System. Um eine Corporate-Font zu entwickeln, müssen wir Designer:innen und Typograf:innen tief in die DNA einer Marke eintauchen, sie verstehen und mit Empathie in eine visuelle Sprache übersetzen. Es geht darum, Identität nicht nur sichtbar, sondern spürbar zu machen.
Wenn Marken sich von Wokeness abwenden, verabschieden sie sich nicht nur von bestimmten politischen Positionen – sie verabschieden sich auch von Authentizität und Verantwortung. Design ist ein mächtiges Werkzeug, um Werte auszudrücken – und Marken sowie Unternehmen haben die Wahl: oberflächliches Marketing oder echtes Werte-Commitment. Und wir als Konsument*innen haben diese Wahl ebenso!
Erkennst du das ursprüngliche Logo, das als Grundlage für dieses Typografie-Beispiel diente?
📣 Mach mit: Teile deine Schriftentwürfe – fertig oder unfertig – mit der Überschrift „Type for democracy“ und dem Hashtag #typefordemocracy. Teile auch, was dich inspiriert hat. Lasst uns gemeinsam Zeichen setzen! Demokratie ist keine Meinung, sondern ein Grundrecht, das (nicht nur) im deutschen Grundgesetz verankert ist. Also: Geht wählen. Wählt demokratisch!